Mittwoch, 1. August 2007

Segeln, die Zweite


Endlich, endlich, endlich war es soweit: Nachdem ich zu Weihnachten „Segeln für Dummies“ geschenkt bekommen und es intensivst gelesen hatte, war ich endgültig - theoretisch - für den großen Törn im Mai um die Balearen auf einer 40 Fuß Yacht gewappnet!!
Theoretisch…

Eine stressige Arbeitswoche hatte ich vor dem wohlverdienten Urlaub noch hinter mich zu bringen. Dann hieß es freitags abends Kofferpacken und - wegen des verdammt frühen Fluges am Samstag - Vorabend Check-In.

Aber: Was packt man in eine oder zwei möglichst kleine Reisetaschen für eine Woche Segel- und eine weitere Woche Inselurlaub auf Mallorca im Mai ein?! Praktisch soll es sein, wetterfest, winddicht, für warmes Wetter, für kaltes, …. Eben alles. Aber auch nicht alles, was der Kleiderschrank bereithält!!
Ich legte also mal alles zusammen, was ich gerne anziehen würde in den zwei Wochen. ER sortierte einiges davon wieder aus, ich legte davon wieder was zurück - und irgendwann konnten wir uns dann auf meine Urlaubsgarderobe einigen… Sogar insofern, als das „Skipperauge“ nicht beleidigt würde

Aber alles andere hatte ich an dem Tag nicht mehr erledigen können; Rechnungen bezahlen, letzte Besorgungen erledigen, essen, etc. Kurz hatte ich es noch geschafft, der Nachbarin den Schlüssel in die Hand zu drücken und ihr zu erklären, welche Blumen sie wo gießen müsse. Gott sei Dank hatte sie Besuch von Freundinnen und daher keine Zeit, mich lange aufzuhalten.

Auf dem Weg zum Flughafen hab ich mir einen Apfel aufgezwungen. Ich hatte schon den ganzen Nachmittag Kopfschmerzen, Herzrasen, Schwindel - wovor bloß diese Angst? Das war weiß Gott nicht mein erster Urlaub und schon lange nicht mein erster Flug?!

Kurz vorm Flughafen war es dann soweit - wir mussten rechts ran fahren… Und ich ließ mir den Apfel noch mal „durch den Kopf gehen“. Diese Art von Reisefieber hatte mich wahrlich noch nie erwischt!
Auf dem Nachhauseweg haben wir beschlossen, uns noch kurz mit einem Bekannten von IHM zu treffen, der zufällig in der Stadt war, den er lange nicht gesehen hatte und bald für immer nach Brasilien auswandern würde.

Fakt war, nach nicht ganz zwei Stunden Schlaf trafen wir uns mit den anderen beiden Mitseglern und brachen auf Richtung Palma de Mallorca.

Punkt sieben Uhr morgens standen wir am Pier der Yachtvercharterer und unser Boot war tatsächlich schon verfügbar! Also Koffer aufs Schiff und erstmal eine Runde Frühstücken.

Später am Tage gingen wir drei die Wochenration an Verpflegung einkaufen, der Skipper bereitete den Rest vor. Und ich musste mein Spanisch, was ich gerade erst gelernt hatte, voll ausschöpfen und die Einkäufe zum Boot liefern lassen… Wegbeschreibung, Uhrzeit, was eben dazugehört. Und was soll ich sagen? Die Lieferung erreichte uns tatsächlich und sogar pünktlich
Allerdings stachen wir erst am nächsten Tag in See.

Während die anderen drei erfahrenen Segler sich des Wassers und des Windes erfreuten, kämpfte ich damit, nicht schon wieder mein Frühstück „wegzuwerfen“. Wir ankerten am frühen Abend in einer schönen Bucht, unsere beiden Mitsegler kochten ein fantastisches Essen - aber mein Magen streikte.
Die zweite Nacht im Boot schaukelte schon etwas heftiger, da uns der schützende Hafen fehlte und der Wind nachts so gedreht hatte, dass er die Wellen genau in die Bucht hineintrieb und uns am nächsten Morgen vorm Frühstück in den Hafen zwang.

Dort bei 25kt Wind und Seegang am „Wartekai“ anzulegen wurde meine nächste Herausforderung: Übers Boot springen, Fender ausbringen, an Knoten erinnern - und das möglichst schnell, denn der Wind drohte uns gegen die Mauer zu drücken.
Aber auch das haben wir mit unserem erfahrenen Skipper gut gemeistert - und ich war total außer Puste.

Die nächsten Tage gewöhnte ich mich so langsam an das Leben auf See - die zu erledigenden Handgriffe zum Segelsetzen, Anker werfen oder Anlegen wurden mir allmählich vertraut, übel war mir schon am zweiten Tag nicht mehr, und die Ruhe und Besonnenheit „meines“ Skippers taten ihr Übriges

Dann fuhren wir von der Südküste Mallocas nach Cabrera. Bei Halbwindkurs stand ich am Ruder; der Wind war mit 20-25kt perfekt, die Wellen bewegten sich günstig, und so „bretterten“ wir mit 8kt gen Süden. Das Auf und Ab des Schiffes, der Wind, die „Geschwindikeit“ und die geblähten Segel lösten in mir ein fast unbeschreibliches Gefühl aus: Eine innere Freude, eine Lebenslust, die ich nie mehr loslassen wollte. Ich atmete die frische, unvergleichliche Seeluft mit jedem Atemzug ganz tief ein.
Man liest sowas nur in alten Büchern - aber ich hättte „jauchzen“ können vor Freude!

Leider war diese Woche viel zu schnell vorbei, aber wahnsinnig schön. Und ich weiß: Ich komme wieder!

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