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Donnerstag, 5. Oktober 2006

Me And My Shadow

DER SCHATTEN
umfasst alle dunklen, minderwertigen, dem Ich unerwünschten Persönlichkeitsanteile. Er ist das Ordinäre, Triebhafte, das Aggressive und Destruktive in einem. Er wird in der Regel projiziert auf ein gleichgeschlechtliches Gegenüber, auf den "bösen" Nachbarn, Ausländer - welche das tun, was ich mir nicht erlaube, worüber ich mich ärgere/ aufrege. Hinweise auf Schattenhaftes sind Zornausbrüche wider Willen, überhaupt Affekte, man denkt im selben Moment „Warum tu ich das, das bin ich doch gar nicht?!“. Veranschaulichungen in Literatur und Mythologie wären Mephisto, Mr. Hyde, der Kampf der Mächte des Lichts gegen die Finsternis... Bei einer objektiven (statt urteilenden) Betrachtung enthält der Schatten durchaus Positives - nämlich gesunde Instinkte und kreative Impulse. Die Auseinandersetzung mit dem Schatten ist notwendig zur Definition und Entwicklung des Ichs. Er fordert das Bewusstsein heraus, führt zum moralischen Konflikt, erwartet von uns Stellungnahmen/ eine Entscheidung. Im Zuge der Selbsterkenntnis ist die Schatten-Integration der erste grosse Schritt, Voraussetzung und Bedingung jeder charakterlichen Reife. Verlangt werden Mut bzw. Ehrlichkeit zur Wahrnehmung und Konfrontation der dunklen Seite, auch das "Hässliche" in sich anzuerkennen und anzunehmen, sich damit zu versöhnen/ dazu zu stehen (denn jeder ist sich selbst der ärgste Feind, mit sich selbst am unduldsamsten). Soweit die Theorie nach C. G. Jung.
http://www.astrologix.de/astroInfo/prinziP/archetyp/cJung/cJung.htm

Und wie soll ich das jetzt meinem eigenen, in die tiefsten Abgründe meiner selbst verbannten Schatten beibringen? Wie soll ich diese Zicke bitte „emanzipieren“??

Alles war gut, solange ich alleine war. Ich bin berufstätig, wohne alleine, bin eine selbständige Frau. Alles super. Aber sobald aber ein Mann in mein Leben tritt, kämpft sich mein Schatten ans Tageslicht und übernimmt das Steuer, ich bin absolut machtlos.

Das äußert sich unter anderem in folgenden Eigenschaften: Ich habe keine Lust mehr auszugehen (das hat bis vor kurzem einen Hauptteil meines Lebens bestimmt!!), ich weiß plötzlich nicht mehr, wie ich früher allein meine Abende verbracht habe (anscheinend ganz gut, ich habe ja bis hierhin überlebt?!) und wenn Er sich mal nicht pünktlich meldet oder einfach mal was anderes zu tun hat, außer den Abend mit mir zu verbringen (Hallo, dieser Mensch hat auch ein Leben, dass schon vor mit stattgefunden hat!!), dreht mein Kopfkino durch und erfindet Oskar-reife Geschichten über Untreusein, Verlassenwerden, mysteriöse Todesumstände, schicksalhafte Begegnungen der Dritten Art, oder, oder, oder….

Ich habe diese Phase vor ein paar Jahren schoneinmal durchlebt. Aus beruflichen Gründen habe ich ein Jahr lang alleine gewohnt, allerdings viele Freunde um mich herum wissend. Ich habe mein eigenes Leben geführt, habe nicht gejammert, dass Er nicht da war, habe alles alleine genossen und für mich getan. Wenn ich die Psychologen-Theorie richtig interpretiere, habe ich meinen damaligen Schatten emanzipiert, habe mich individualisiert und konnte ziemlich gut damit leben.
Bis Er wieder bei mir eingezogen ist. Denn da hat mein Schatten gesagt: „Nee, wir sind jetzt selbständig, raus mit dir!“ - und ich war nach langer Zeit plötzlich Single. Glücklicher Single, wie ich mit gutem Gewissen behaupten kann.

Jetzt ist es aber wieder so weit. Mein Schatten starrt auf’s Telefon, wann der Anruf oder die SMS endlich kommt, drückt alle zwei Minuten die Refreshtaste des Internetbrowsers, um die Emails nach Neueingängen zu checken und muffelt schlechtgelaunt meine Umwelt an, weil er heute noch nicht wachgeküsst worden ist.
Außerdem müssen meine Freundinnen ständig verzweifelte Anrufe oder Emails von mir ertragen mit der Begrüßung oder dem Betreff „Mein Schatten dreht wieder am Rad!“.
Meine Versuche, über meinen Schatten zu springen oder mit Schattenboxen das Problem zu minimieren, haben bisher leider keine Erfolge gezeigt. Ich schaffe es einfach nicht, genügend Vertrauen aufzubauen, um der Sache einfach ihren Lauf zu lassen. Dabei hat Er mir nie einen Grund gegeben, daran zu zweifeln. Es gelingt mir selten bis gar nicht, mein Leben wie bisher weiterzuleben.

Vielleicht tu ich das manchmal äußerlich, aber solange ich den mir gewidmeten Tätigkeiten nachgehe, flüstert mir jemand ins Ohr: "Du belügst dich, du verdrängst!“
Außerdem befürchte ich, in eine Art Teufelskreis zu geraten. Was, wenn ich meinen Schatten wieder so weit emanzipiert habe, dass er wieder merkt, „Hey, den Kerl brauchen wir gar nicht!“?
Dann hätte ich zwar mein Abhängigkeitsproblem gelöst, wäre aber um eine weitere Verbitterung reicher: „Wozu brauchen wir Männer? Ich kann andere dafür bezahlen, mir schwierige Dinge zu erledigen, zum Klonen braucht man sowieso nur die X-Chromosomen der Frauen, und guter Sex…. ist heute schließlich auch nicht mehr von einem festen Partner bzw. von einem Mann aus Fleisch und Blut anhängig.“

Und Liebe? Nun ja, die Sehnsucht danach, nach zärtlichen Berührungen, nach dem Zusammengehörigkeitsgefühl könnte ich dann ja wieder ins Schattenreich verbannen, denn den Schatten würde sowieso so schnell niemand mehr ans Tageslicht befördern.

Montag, 21. August 2006

Was ist Realität?


Die 80:20-Regel finde ich ein der besten Erfindungen unserer Zeit! (Mit 20% des Aufwands 80% der Hausarbeit erledigen – für die restlichen 20% würde entsprechend 80% Aufwand benötigt…) Der perfekten Hasufrau mag das vollkommen unrealistisch erscheinen – ich aber bin jung, berufstätig und voll darauf bedacht, mein Leben zu genießen, sei es in Form von Freizeitaktivitäten oder schlichtem Nichtstun. Deswegen spare ich mir die Zeit in den in meinen Augen unwichtigen Sachen wie regelmäßig gründlichst putzen, Bügeln, Fensterputzen etc. Ich achte lediglich darauf, dass ich nicht im Staub ersticke, mir keine bislang unentdeckten Krankheiten im Badezimmer zuziehe und immer eine ausreichende Menge an sauberen Klamotten vorrätig habe.

Aber wie lässt sich das auf das Seelenleben übertragen? Streben wir hier nicht auch nach Perfektionismus? In allen Frauenzeitschriften werden Tipps für ein erfülltes Seelenheil gegeben, die Anzahl der Ratgeberbücher, die man und/oder frau gelesen haben soll, ist schier unendlich, gern holt man sich Rat von den lieben, lebenserfahrenen Verwandten oder Freunden – und auch die sprichwörtliche Couch einer Therapeutin habe ich schon hinter mir. Aber entscheiden, was davon erstrebenswert, „perfekt“ für mich und was realistisch ist, muss ich selbst.

Aber wie soll ich in all dem Chaos noch den Überblick behalten, was die Realität fordert? Nicht nur, dass man sich gern mal im Heile-Welt oder gar unrealistisch brutal-gruasamen TV-Leben verliert. Oder sich den schönsten Liebesschnulzromanen mit Happy-End-Garantie hingibt. Oder sich von oben genannten Ratgebern den Verstand verdrehen lässt.
Nein, man greift leider auch auf ein unerschöpfliches Repertoire an eigenen Erfahrungen zurück. Grundsätzlich sollte dies ja eine gute Eigenschaft des Menschen sein, „Lernen durch Versuch und Irrtum“, nennt man es in der Verhaltensforschung glaube ich. Auch gut: „Lernen aus Erfahrung“, „Aus Erfahrurng wird man klug“, „Aus Fehlern lernen“ – solche und andere Floskeln weiß wohl jeder unendlich aufzuzählen.
Genau an dieser Stelle frage ich mich: Wie viele Fehler darf der Mensch sich auf dem Weg des Perfektwerdens erlauben? Und vor allem, wie schwerwiegend dürfen diese sein? Wer definiert, was ein schwerwiegender Fehler ist, was überhaupt ein Fehler oder was womöglich nur ein „Ausrutscher“ ist? Ist es die unterschiedliche Empfindung eines jeden Einzelnen, die wiederum auf dessen Erfahrung zurückzuführen ist?
Und schon kommen wir wieder auf die Erfahrungen zurück.
Wenn ich mich aus irgendwelchen Gründen schlecht fühle, versuche ich natürlich, die Situation zu klären. Was veranlasst die schlechten Gefühle? Warum bin ich überhaupt in die Situation geraten? Dann merke ich bald, dass ich eine Art Déjà-vu habe; ich mache gerade etwas durch, was ich schonmal in einer ähnlichen Situation erlebt habe, die ein negatives Ende genommen hat. Also bin ich jetzt wieder auf negatives Ende programmiert. Ich versuche, die jetzige Situation auf realistische Fakten zu analysieren. Aber welche sind diese?! Wer garantiert mir, dass ich es hier tatsächlich mit Fakten zu tun habe, und mir nicht nur etwas schönmale, mich selbst belüge, nur weil ich mir wünsche, dass es diesesmal ein gutes Ende für mich nehmen möge?
Daraus resultiert, dass ich überhaupt nicht mehr weiß, wie ich mich verhalten soll, was überhaupt „normales“ Verhalten ist, denn was ich bisher erlebt habe wird immer unrealistischer, und ich kann Realität nicht mehr von Einbildung unterscheiden. Projiziere ich erlebtes Verhalten auf andere? Interpretiere ich meine eigenen Ängste in jemanden hinein? Oder habe ich genau so viel Lebenserfahrung gesammelt, um die Situation und das Verhalten genau richtig einzuschätzen und darauf regieren zu können?
Welche Rolle spielt dabei überhaupt die jeweilige Charaktereigenschaft? Gerade diese machen unsere Welt doch vielfältig und abwechslungsreich. Es kommt überhaupt nicht in Frage, dass jeder Mensch gleich ist.
Und doch wird erwartet, dass sich jeder „gleich“ perfekt verhält. (Kulturelle Unterschiede spreche ich bewusst nicht an, denn das würde uns noch viel tiefer in die Sache hineinführen.)

Ich glaube, es ist an der Zeit, wiedermal eine Auszeit zu nehmen. Ein paar Tage aus dem alltäglichen Leben zurückziehen, der Welt ihren Lauf lassen – und dabei versuchen, einen objektiven Blick auf die Sache zurückzugewinnen. So tun, als ob alles jemand anderem passiert. Einem Freund, dem man in jeder Situation beratend zur Seite stehen würde – also jetzt auch objektiv mir selbst. Oder der Hauptfigur in einem Roman oder einem Film, mit der man zwar mitfiebert, aber genau zu wissen scheint, wie die Person sich richtig entscheiden und verhalten muss! Weil die Situation, auf die man ganz unbeteiligt draufblickt, vollkommen logisch und einfach lösbar erscheint.