Samstag, 10. April 2010

Genesungsversuch, Teil III


Heute (übelst erkältet, klassisch eingefangen im klimatisiereten Flieger...) verlor ich mich in folgenden Aktionen:

* das Rosenbeet an der Terasse weitestgehend von Unkraut befreit
(Das soll ein Wunderblumenbeet werden, so schön sonnig gelegen! Die Rosen bekommt eine Kollegin, die mir dafür ihren Bambus vermacht hat)
* Erfrorene Rosenstöcke schonmal ausgegraben
* Das runde Rosenbeet in der Ecke der Wiese mit Rindenmulch bedeckt

Und damit war ich fix - und - fertig!

Schon das Unkrautjäten hat mich ziemlich gefordert... Und ich hatte immer gedacht, der Löwenzahn sei des Gärtners Feind, pah!!
Nein, da wächst so ein Zeug (ich hab's gegoogelt, aber es ist weder Giersch noch Kriechender Hahnenfuß), das sich so richtig schön um alles herumwickelt, alles bedeckt, und wenn man es ausrupfen will, zeigt es sich elastisch!!?? Wie Naturgummi!
Ich hab es jedenfalls "rausgekämmt", soweit es ging.
Ebenfalls hartnäckig war das andere Zeug, das ungefähr so festgewurzelt sitzt wie Löwenzahn. Nur sitzen davon viel, viel, viel mehr Pflanzen in meinem Beet. Oooooh Mann.
Dabei hab ich leider auch die ein oder andere Blumenzwiebel erwischt (die nicht schon beim Rosenaushacken in Mitleidenschaft gezogen wurden...).
Jedenfalls sieht es nun aus wie ein Schlachtfeld!!
Nächste Woche kommt meine Kollegin, um die Rosen abzuholen. Dann schneide ich schonmal runter, was eh nix mehr is, hol das letzte Unkraut raus und setze die Wunderblumensamen. Hoffentlich klappt's...!

Tja, und dann sah ich das andere Rosenbeet und dachte, ach, da kann man ja schnell Rindenmulch drüberhauen, da wächst grad kein Unkraut!
Praktischerweise hatte die Besitzerin des Gartens 3x 70l-Säcke Rindenmulch hinterm Beet liegen lassen. Unpraktischerweise hat es draufgeschneit und -geregnet, und alles Wasser aus Mittelhessen hat sich in diesen Säcken gesammelt!!
Tja, und so konnte ich sie weder tragen noch ziehen, denn die Plastikfolie war schon lange aufgerissen und porös geworden...

Also schleppte ich zigmal den Inhalt des einen Sackes in einem großen Blumentopf zu meinen Rosen.... Bücken, schaufeln, schleppen, verteilen, bücken, schleppen, ..... BÄH!
Das hat ausnhamsweise mal ganz und gar nicht zu meiner Genesung beigetragen. Aber der Rindenmulch liegt nun da, wo er hinsollte




(Ist leider ein Vorher-Bild)

Donnerstag, 8. April 2010

Abendgestaltung


Eigentlich bin ich total k.o., weil ich am Mittwoch Morgen erst von Chicago zurückgekommen bin. Aber auf dem Heimweg vom Büro (hatte heute nur ein kurzes Intermezzo dort ) fahre ich wiedermal im Gartencenter vorbei. Diesesmal mit dem festen Vorhaben, NUR Blumenerde zu kaufen!!!

Okay, ich hab wiedermal ein paar wunderschöne LED Leuchten gefunden... Und noch ein paar 99 Cent Gartenhandschuhe, damit ich mit den Rosenhandschuhen nicht im Dreck wühlen muss.

Ich schleppe also die bald 100 Liter Erde durch die - noch zugemüllte - Garage in den Garten und lege los.
Zuerst setze ich einige Samen von Rankpflanzen (Prunkwinde, Zierkürbisse, Schwarzäugige Susanne und Kapuzinerkresse) in 2 Kästen. Daraus sollen Terassenverschönerungen werden. Ich bin gespannt.....
Außerdem packe ich eine Betonwanne voll mit Tomatensamen, Cocktailtomaten an Rispen sollen es werden.



Ich habe den Podcast "Pflanzentipps" von Radio Wien abonniert, und da haben sie mir wahnsinnig Lust auf selbstgezogene Tomaten gemacht! Ich erinnere mich daran, dass ich als Kind nur "Gartentomaten" essen wollte und keine gekauften mehr. Meine Uroma hat sie gezogen - und mit echtem Pferdemist gedüngt - das gab Geschmack

Allerdings hab ich auch immer meine Mutter im Ohr, die sich Jahr für Jahr wundert, woran meine Oma erkennt, wie und wo man Tomatenstöcke "ausgeizen" soll.
Aber auch diese Herausforderung will ich nun angehen und habe dazu diese geniale Anleitung im Netz gefunden: den Gärtnerblog
Wenn ich es damit nicht schaffe, wie dann??

Tja, und da stehen die "Kisten voller Dreck" nun im Wintergarten - meinem 21qm großen Gewächshaus


Zwischendurch kam Marco nach Hause, und gemeinsam haben wir den Kompostbehälter wieder zusammengeschraubt.
Ich muss übrigens bei jeder Aktion mit diesem Kasten an eine Forenschreiberin aus unserem Gartenforum denken...
Sie hat einen herrlichen Blog und später ein Buch u.a. über die Geschichte ihres Thermokomposters geschrieben...!
Und so zerren und klopfen und schrauben wir an der Kiste, wobei ich mir immerwieder vorstelle, wie eines Tages wunderbare, fruchtbare Erde aus der Klappe herauskullert...

Während Marco versucht die Fahrräder flott zu bekommen und die erste Runde dreht, pflanze ich noch die Kräutersamen ein, die mir eine andere Forenschreiberin kürzlich mitgebracht habt. Seit Tagen und Wochen überlege ich hin und her, wie ich das am besten hinbekomme - denn ich habe vergessen Joghurtbecher zu sammenln, und diese kleinen Anzuchttöpfchen will ich nicht extra kaufen (und ich getrau mich nicht, sie aus dem Friedhofsmüll zu nehmen )

Da taucht mir plötzlich das Bild vor Augen auf von der unbrauchbaren (weil zu schmal und zu hoch) Muffinbackform von Ikea
Noch ein paar Fähnchen an Zahnstochern reingesteckt und voilá!!



keimen hier nun (hoffentlich!)
*Basilikum Bordeaux
*Feldthymian Wild Magic
*Mexikanische Minze und
*Muskateller Salbei Santorini

Schließlich packen wir zusammen, machen Feierabend und kuscheln uns vor's TV. Ich dachte, es sei so 20h, aber ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass es bereits eine Stunde später ist!

Wahnsinn, wiedermal haben wir wunderbare Zeit im Freien verbracht, was mir früher auf meinem Balkon nie vergönnt gewesen wäre!
So kanne s den ganzen Sommer lang weitergehen

Samstag, 20. März 2010

Garten-Shopping


Als bei meinem ersten Garteneinsatz die Gartenschere den Geist aufgegeben hat, musste ich natürlich eine neue besorgen. Nur mit richtigem Werkzeug kann man richtig und effizient arbeiten.
Also fuhr ich zum nahegelegenen Yippiejaja-yippie-yippieyeah-Markt und verlor mich fast in der Gartenabteilung... Rosenhandschuhe - die bestinvestierten 5 Euro in diesem Garten! Endlich kann ich wieder Gartenfackeln abbrennen!! Vier in den Einkaufswagen gepackt. Oh, und Sitzauflagen und Tischdecke für die "neuen" Terassenmöbel! Oooh, was für eine wunderschöne Laterne, mitnehmen! Und dieses hübsche Teelicht - das letzte?! Einpacken! Ein Pflanzhocker mit "Geheimfach" unterm Sitz. Ein Laubsack.
Und - dann - die - Lampenabteilung......
ENDLICH Platz für so viele Solar-LED-Leuchten, wie das Auto (Coupé...) transportieren kann!!!

Ich komme mit einer riesen Rechnung, aber unendlich glücklich aus dem Baumarkt heraus...







Der Garten - was für eine Droge

Am 12.4. geht es übrigens weiter!
Bei Dehner gibt es Oleander - der fehlt noch im Wintergarten und soll eine der Kübelpflanzen für die Terasse werden. Außerdem gibt es bei ALDI Terassenkamine, die will ich mir auch mal ansehen.
Am Mittwoch dann zu Ikea, die haben hübsche Hängematten und noch viiiel mehr Solar-Lichter
Und am Donnerstag zu LIDL, da gibt es Sonnenliegen mit Schattendach.
...ich brauche dringend einen Lottogewinn!!

Donnerstag, 18. März 2010

Unser Garten Eden


Zwei Jahre, nachdem wir beschlossen hatten, von der kleinen Stadtwohnung in etwas Geräumigeres zu ziehen, haben wir ENDLICH den Mietvertrag unterschrieben!
Nun wohnen wir seit Herbst in unserer neuen, kleinen Oase der Entspannung, und da seit kurzem endlich auch der Fühling Einzug gehalten hat, konnte ich damit loslegen, den Garten zu bearbeiten!

Viel Erfahrung hab ich bisher nicht. Genauer gesagt: Gar keine!
Ich kenne die Namen einiger Pflanzen, weiß, dass Rhododendron Rhododendronerde braucht, dass man Samen in Aussaaterde pflanzen sollte und.... nun ja, dass Rosen ganz schön stachelig sind...

Die Dame, in deren Haus wir gezogen sind (sie hatte offenbar eine Vorliebe für Rosen, ich habe ca. 50 Stöcke ums Haus herum gezählt!), hat das Grundstück wunderschön angelegt, ein großer, viereckiger Rasen, an der Terassenecke ein (Rosen-)Beet,



am hinteren Ende der Wiese ein großes Blumen- und Staudenbeet,



in der hinteren linken Ecke ein Rosenbeet,



entlang am Wintergarten ein Kräuterbeet,



dahinter wieder Blumen, Stauden und - genau, Rosen.



Jetzt im Frühling ist es förmlich explodiert! Eine Symphonie aus all meinen Lieblingsfarben, rot, gelb, pink, zart- bis kräftig blau und violett.







Am Ende dieses langen, kalten und dunklen Winters waren unsere Kräfte wirklich aufgezehrt. Müde, schlapp, antriebslos - das komplette Winterschlafprogramm! Obwohl wir es uns durch die dunkle Jahreszeit mit Kamin und vor allem im Wintergarten so angenehm wie möglich gemacht hatten, war jetzt doch der Punkt erreicht, an dem man einfach Frühling braucht. Punkt. Sonst nichts. Sonne! Licht, Wärme! Frische Luft, die nicht beim Einatmen in den Lungen gefriert!

So lag ich mal wieder krankgemeldet zu Hause, als die ersten Sonnenstrahlen das Herz und das Land erwärmten. Ich dachte mir, ach, ein Schritt nach draußen wird nicht schaden, ein bisschen Sonne tanken und Frühling schnuppern.

Ich ging am Beet entlang, entdeckte voller Freude die ersten grünen Spitzen der Stauden und Frühlingsblumen, winzige Knospen an Sträuchern und sogar an den Rosen!
Schnell griff ich zur Gartenschere und fing an, den Wintermüll wegzuschnippeln. Wie ein Frisör stutzte und kämmte ich. Die Vögel sangen, die Luft roch einfach nach Frühling...!
Okay, dachte ich, rücken wir doch mal dem Moos im Beet zu Leibe. Oh, den Ginster können wir auch gleich entsorgen!

Ich hackte, stach, schlug und rupfte und - hey! Wo waren die Kopfschmerzen?? Die Abgespanntheit, Müdigkeit, Schalppheit??
Die musste ich irgendwo zwischen den Blumen verloren haben!!

Ich - war - geheilt! Eindeutig, mir hatte der Frühling gefehlt!

Und dieser Garten war das beste, was uns mit dem Haus zusammen hatte passieren können. Hier kann man die Seele baumeln lassen, Sorgen vergraben oder gleich auf den Kompost werfen und einfach nur die Natur genießen.
Ich freu mich auf den Sommer!

Montag, 1. März 2010

Knapp über 30 und schon häkeln??


Ja. Was für ein cooles Hobby!
Mir sträuben sich auch die Haare, wenn ich Häkel-Hefte für Tischdecken sehe oder bei "Schönes für Zuhause" gehäkelte Kissenbezüge, Topflappen oder sonstiger Schnickschnack vorgeschlagen werden

Aber ich fand so schöne Muster für z.B. Patchworkdecken



einen Frühlings-Blumenschal



Dann eine Weste (okay, die erinnert zugegebenermaßen an eine Tischdecke...)



Und schließlich Mützen. Eine Wintermütze



Und eine Frühlings-/Sommermütze



Die Weste hatte ich schoneinmal soweit - und hab dann festgestellt, dass sie viiiiiel zu klein war!! Und so hab ich sie nochmal aufgezogen, mit einer größeren Nadel begonnen, in den Reihen, die ich überlesen hatte, Maschen zugenommen und ein paar zusätzliche Runden dazwischengepackt.

Diese kreative Arbeit macht so viel Spaß! Man tut was, ohne Zeit dabei zu verschwenden, man hält anschließend etwas in den Händen! Es ist nicht wie bei der Hausarbeit - kaum ist die Wohnung geputzt oder die Wäsche gewaschen, ist sie auch schon wieder dreckig... Außerdem streichelt es ungemein die Seele, im tristen, grauen Winter mit schönen Farben zu arbeiten.
Und es ist unglaublich zufriedenstellend, wenn man merkt, dass man es kapiert hat, die Mschen kennt, die Anleitung versteht - und am Ende das dabei herauskommt, was in der Vorlage oder im Muster abgebildet war

Dann hörte ich von der Geburt der Tochter einer Freundin und dachte, hurra, das ist die Gelegenheit, jetzt kann ich endlich Babys "behäkeln"

Und sie bekommt diese Decke:



Das sind erst 16 der benötigten 36 Squares. 20 hab ich mittlerweile



Und das ist Nummer 21



Ist die Wolle nicht ein Traum??



Montag, 31. August 2009

Für einen Abend wieder 17 sein


Seit Jaaaaahren freute ich mich auf diesen Tag: Ein Klassentreffen 11 Jahre nach unserem Abitur! Ja, elf Jahre. Meine Mutter behauptet immer, die '78geborenen seien ein verschlafener Jahrgang - sie könnte recht behalten, denn das Zehnjährige haben wir irgendwie nicht hinbekommen

Aber das Elfjährige - ist ja auch eine schöne Zahl.

Ich habe die Schule gehasst. Jawohl, GEHASST! Die Willkür der Lehrer, die ihren Frust in Form schlechter Noten an Schülern auslassen. Die Gleichgültigkeit, mit denen sie ihren Unterricht gestalten. Das sichtliche Vergnügen eines Sadisten, der sich am Anblick eines verzweifelten Schülers weidet, der ausgerechnet nicht für den unangekündigten Bio-Test gelernt hat, weil er sich mal Latein Vokabeln und Grammatik, Geschichtszahlen und Physikformeln zu Gemüte geführt hat und außerdem mit Liebeskummer und all den anderen Problemchen eines Spätpubertierenden zu kämpfen hat.

Da konnten mich alldie lieben Sprüche von wegen Zusammenhalt der Schüler, Freundschaften, Wiedersehen und so weiter nicht vom Gegenteil überzeugen. Oder "Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir!" Oh ja, ich habe gelernt, dass die Schule eine Art Vorhölle für das danach beginnende wunderschöne Leben ist. Oder ein Fegefeuer, nachdem man, von grundauf gereinigt, endlich den Sinn des Lebens suchen gehen kann.

Nein, an der Schule haben mir immernoch die Ferien am besten gefallen, und ich habe sie mir in den letzten elf Jahren nicht einen einzigen Tag zurückgewünscht, wie mir vorher so vielseits prophezeit wurde.

Und dann stand es an: Ein Abitreffen ganz im Sinne unserer Schulzeit. Seit der 10. Klasse etwa wurde die letzte Woche vor den Sommerferien gezeltet. Und da wir nun alle berufstätig sind, sollte ein Zeltlager von Freitag bis Sonntag auf einem der früher sooft bezogenen Zeltplätze stattfinden.

Nun ja - nun sind wir nicht mehr 20, und die ersten von uns schlagen sich neben Haarausfall und anderer Alterserscheinungen auch schon mit Rückenbeschwerden herum - daher war die Begeisterung nicht gerade groß, ein ganzes Wochenende ohne die heißgeliebte Dusche, die heimische Kaffeemaschine und vor allem das bequeme Bett zu verbringen, und so fanden sich die meisten (von ein paar wirklich zähen, hartgesottenen Ausnahmen abgesehen) am Samstag Nachmittag und Abend auf dem Sportplatz ein.

Ich war so aufgeregt! Freitag nach dem Büro habe ich (nicht gerade als Küchenfee bekannt!) schnell einen Kuchen zusammengerührt, am Samstag Morgen noch ein lecker klingendes Nudelsalatrezept in die Tat umgesetzt. Unter der Dusche wurde gründlichst das Gesichtspeeling benutzt und vor dem Make-Up nochmal die Anti-Falten-Augencreme aufgetragen - nicht, dass das akut etwas genutzt hätte, aber ich fühlte mich einfach sicherer
Und dann ging es los. Meine beste Freundin, die extra aus London eingeflogen war, bei ihren Eltern abgeholt - denn wir wollten beide nicht alleine aufkreuzen
Um 16 Uhr trafen wir endlich ein - die drei Zeltschläfer um das Feuer sitzend vorfindend. Puh, Gott sei Dank noch keine so große Runde! Mit Umarmungen begrüßten wir uns, und als ich auf die Frage "Wie geht's dir?" ein ehrlich gemeintes "Sehr gut!" erwiderte, hörte ich ein "Das sieht man!" als Antwort... Yeah!!

Die nächsten Gäste trafen ein. Die Schwangeren!! Eine im 5. Monat, aber so gertenschlank, dass ich es ihr wirklich überhaupt nicht ansah. Eine andere eine Woche über den Geburtstermin und die dritte zwei Monate vor der Niederkunft. Wahnsinn!
Die Drei bekamen dann die bequemen Sessel zugewiesen, B. und ich mussten auf die Bank ausweichen...
Irgendwann kamen wir auf das Thema "Boybands" zu sprechen, die wir einst so sehr vergöttert hatten. Als wir von den wiederauferstandenen New Kids on the Block, einem Back Street Boys Konzert und einem Robbie Williams-Entertainment erzählten, giggelten wir wie mit 14! Es klang wirklich 100% so wie damals - kaum zu glauben, dass C. und ich uns mit D. so dermaßen zerstritten hatten...
Es treffen immer mehr bekannte Gesichter ein. Einige derer, die ich sehr gerne wieder gesehen hätte, waren leider am Vorabend schon dagewesen und kamen am Samstag nicht mehr. Aber dennoch.
Mein schwuler Freund ist Arzt und hat vor zwei Jahren seinen Italiener geheiratet!
S. begrüßt jeden mit einer herzlichen Umarmung und einem Wangenkuss - sie ist tatsächlich Deutsch- und Ethiklehrerin geworden, fast dieselben Fächer wie unsere so ungeliebte Lehrerin, die S. fast jede Stunde zur Verzweiflung und fast zum Rausrennen gebracht hat!
M., der nun in München lebt, hat wie erwartet tatsächlich kein Haar mehr auf dem Kopf - der Ärmste war schon zum Abi von lichtem Haupthaar geplagt. Entrüstet beschwert er sich, dass der Gastwirtschaftsraum nicht abgeschlossen ist: "Früher war hier immer abgeschlossen, jetzt sind wir alt, man vertraut uns!!"



Später sitzen wir alle rund ums Lagerfeuer. Obwohl Ende August, ist es in dieser Nacht nur 8° kalt.
Da taucht eine gelockte Gestalt im gelben Mantel auf. Dreimal muss ich hingucken - tatsächlich, es ist A.! Nein, wie hat sich diese Rebellin, die die Schule noch mehr gehasst hat als ich, verändert! Brav und erwachsen sieht sie aus. Und dann entschuldigt sie sich mehrfach für folgende Berufswahl: Auch sie ist nun Lehrerin. Für Deutsch und Geografie - die, die mich auf der Abschlussfahrt in London so angeraunt hat, das sei ihr doch sch***egal, dass es hier schon um 3 Uhr nachts hell würde!! Wie mich sowas nur interessieren könne?!

Schließlich reicht S. eine "Selbstgedrehte" durch die Runde.
Es hat sich wirklich nichts verändert, denke ich, als ich einen Zug und dann noch einen nehme. Zwar hat der ein oder andere schon ein graues Haar zu verzeichnen, die Lachfalten um die Augen zeichnen sich hier und da deutlich ab, aber in den Köpfen sind wir alle noch dieselben. Irgendwie bin ich doch gerne mit ihnen zusammen in die Schule gegangen.

Donnerstag, 5. März 2009

Mein Freund, Herr Ephraim


Taxifahrer sind ziemlich abgedrehte Leute. Mich fuhr da schon der ehemalige Gynäkologe, der von der riesen Oberweite seiner Tochter berichtete, die er selbst zur Welt gebracht hat. Der Rechenkünstler, der eine Hypotheke auf sein Haus hat und dem die Marktfrau im Januar 2001 den doppelten Preis für Feldsalat abknöpfte. Oder der Hut tragende Gentleman, der mir die Tür aufhält.

Lustig fand ich die Frau, die mich, als ich ihr mein Ziel nannte, entgesitert anblickte, sich aber im nächsten Moment dafür entschuldigte, weil ich die erste Frau sei, die sie dorthin bringe; normalerweise arbeiten bei der Firma doch nur Männer?! Schnell sieht sie die Ironie der Lage ein, schließlich arbeitet auch sie in einer von Männern beherrschten Branche.

Radiosender hören sie auch komische, die Taxifahrer; Radio Regenbogen, was noch am ehesten zu ertragen ist, oder auch den Deutschlandfunk. Aber bei „Immerwieder Sonntags“ auf SWR 4 oder anderen, mir weniger geläufigen Schlagern, dreht es mir am frühen Morgen auch schonmal den Magen um. Klassik ist ganz schön - wenn diese nicht immer duch den knackenden Taxi Funk gestört würde „Theader“ - „Einen Wagen zum Novotel, Zimmer 517“ - „Theader“ - „Dialyse“ - und das in diesem nervigen badischen Singsang…

Auch gibt es mindestens zehn verschiedene Wege, die durch die Fächerstadt an mein Ziel führen. Manche davon sind natürlich teurer als andere, und so manch Schlauer Fuchs glaubt wohl, einen unerfahrenen Besucher im Wagen sitzen zu haben. Aber als ich letztens schlechtgelaunt einem Herrn klarmachte, dass - egal welche Ampel- und Straßenbahn-Argumente er mir auch bringen mochte - er damit den teuersten Weg gefahren ist, und ich für die andere Strecke nie mehr als 13 Euro selbst im Berufsverkehr zahlen muss, stellte er beschämt bei 13 Euro das Taxameter aus. Erwischt!

Und dann ist da noch Herr Ephraim. Viele der Gesichter sind mir mittlerweile geläufig, und auch mit ihm bin ich mittlerweile schon mehrere Male gefahren. Am Montag fiel es uns beiden dann auf, dass wir uns aneinander erinnerten, und ich ließ mich auf ein Gespräch ein, was ich bei den kurzen Fahrten zum Bahnhof normalerweise gern zu vermeiden versuche, da ich absolut kein Freund von Small Talk bin.

Herr Ephraim kommt aus Palästina - so sagt es der Schriftzug auf der kleinen Flagge aus Plastik, die an einer Kette am Armaturenbrett baumelt. Zuerst frage ich mich, warum er ein warmes Land verlassen hat, um hier im feucht-kalten Klima Taxi zu fahren. Schnell fällt es mir ein - auch ich ziehe Regen und Schnee dem Krieg vor, auch wenn ich noch nie welchen erleben musste. Ein Zitat aus dem Film „Leg dich nicht mit Zohan an“ fällt mir ein: „Wir kämpfen jetzt seit zweitausend Jahren, lange kann es nicht mehr dauern!“

Aber Herr Ephraim strahlt Lebensfreude aus. Seit zwanzig Jahren lebt er nun schon hier - aber seine drei Kinder kann er nicht mit seinem Taxi zur Schule fahren, die nehmen auch die Straßenbahn, obwohl die eine direkte Konkurrenz der Taxifahrer ist.

Eine Frau ruft auf seinem Handy mit Freisprecheinrichtung an, und ohne ihren Namen zu nennen, bittet sie ihn, sie morgen früh um zehn nach neun abzuholen. Als sie aufgelegt hat, erklärt Herr Ephraim ehrfürchitg:“Sie war Richterin am Bundesgerichtshof! Und ihre Tochter ist ebenfalls Juristin, sie arbeitet in Den Haag!“

Nachdem er mir mindestens dreimal eine gute Heimreise und einen schönen Abend gewünscht hat, freuen wir uns beide darauf, bald wieder miteinander zu fahren. Er ist halt ein kommunikativer, aber sehr höflicher und feundlicher Mensch, und das finde ich gut so.